‘Collateral Murder’ und das Massaker von Mỹ Lai

Der Journalist, der das Massaker von Mỹ Lai mitaufdeckte, wurde von der New York Times übernommen. Julian Assange, der die Morde an irakischen Zivilisten mitaufdeckte, sitzt – genau so wie die Whistleblowerin Chelsea Manning – in Haft. Der Vergleich der Reaktionen auf die Beweise zweier Kriegsverbrechen offenbart, wie sehr sich die USA in den letzten 50 Jahren verändert haben, schreibt Joe Lauria. Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Hofmann.

‘Collateral Murder’ und das My-Lai-Massaker

Um den Wandel der Reaktionen vonseiten des US-Militärs, der Mainstream-Medien und der Öffentlichkeit auf ein US-Kriegsverbrechen abzuschätzen, muss man nur die Reaktion auf zwei der abscheulichsten amerikanischen Verbrechen vergleichen: das My-Lai-Massaker in Vietnam und das Abknallen unschuldiger Iraker auf einer Straße in Bagdad im Jahr 2007.

Von letzterem gibt es ein Video, das vom Cockpit des angreifenden Apache-Helikopters aus aufgenommen wurde und vor zehn Jahren von WikiLeaks veröffentlicht wurde. WikiLeaks erhielt das Video von der gewissenhaften Nachrichtendienst-Analytikerin Chelsea Manning.

Der My-Lai-Vorfall wurde im November 1969 durch die Berichterstattung des investigativen Journalisten Seymour Hersh öffentlich bekannt gemacht. Ein Whistleblower, der ehemalige Vietnam-Soldat Ronald Ridenhour, hatte Anfang 1969 zunächst an das Weiße Haus, das Pentagon, das Außenministerium und an Kongressmitglieder geschrieben und glaubwürdige Details zu dem Massaker enthüllt. Dies führte zu einer Untersuchung des Vorfalls durch das Militär.

Die ergab, dass Soldaten der US-Armee am 16. März 1969 im Dorf My Lai 504 unbewaffnete Menschen getötet haben, Männer, Frauen und Kinder. Einige Frauen wurden Opfer von Massenvergewaltigungen durch Soldaten. Die militärischen Ermittlungen führten dazu, dass 26 Soldaten angeklagt wurden. Nur einer, Leutnant William Calley Junior, ein Kommandant des ersten Platoon der C-Kompanie, wurde verurteilt. Er wurde des vorsätzlichen Mordes an 109 Dorfbewohnern für schuldig befunden. Von seiner lebenslänglichen Haftstrafe verbüßte er letztlich nur dreieinhalb Jahre unter Hausarrest.

Doch Calleys Verurteilung wurde vom Militär weitgehend vertuscht. Die New York Times brachte am 7. September 1969 lediglich einen kurzen Artikel der Nachrichtenagentur Associated Press mit wenigen Angaben. Hersh jedoch hörte von dem Vorfall durch eine Quelle im Militär und begann herumzustochern. Schließlich gelang es ihm, Calley in Georgia aufzuspüren und durfte sogar Notizen zu seinem Fall lesen, die unter Verschluss waren. Hersh hatte seine Story beisammen. Er bot sie den Zeitschriften Look und Life an, bekam aber Absagen. Schließlich veröffentlichte der freie Journalist seine Story bei der relativ unbekannten Agentur Dispatch News Service.

Nach Hershs Enthüllung gab es einen öffentlichen Aufschrei. Die Geschichte wurde von Zeitungen im ganzen Land aufgegriffen und landete auf den ersten Seiten der New York Times und der Washington Post. Die Enthüllungen befeuerten die Anti-Kriegs-Stimmung und den Hass auf Präsident Richard Nixon. Zwei Tage nach der Veröffentlichung von Hershs Story versammelten sich rund 250.000 Kriegsgegner am Washington Monument. „Die Demonstration war größer als der Marsch auf Washington der Bürgerrechtsbewegung 1963 und locker die größte – und vielleicht die jüngste – Antikriegs-Demo, die es je in den Vereinigten Staaten gegeben hatte“, berichtete die Post.

40 Jahre nach dem My-Lai-Vorfall eröffneten am 12. Juli 2007 Apache-Kampfhubschrauber, die im Luftraum über Bagdad patrouillierten, das Feuer auf eine Gruppe Zivilisten auf einer Straße unter sich. Dabei töteten sie eine Reihe Menschen, darunter zwei Reuters-Journalisten und den Fahrer eines Transporters, der die Verletzten aufsammeln wollte.

Während des My-Lai-Vorfalls landete ein mutiger amerikanischer Soldat seinen Hubschrauber zwischen den Zivilisten, die sich niederkauerten, und den vorrückenden GIs und sagte den Amerikanern, er würde auf sie schießen, wenn sie nicht aufhörten. In Bagdad setzte sich der US-Soldat Ethan McCord über die Befehle seiner Vorgesetzten hinweg und rettete zwei irakischen Kindern das Leben.


Wo die Parallelen enden

https://www.nachdenkseiten.de/?p=61907

Verhindert die Auslieferung von Julian Assange an die USA!

Fast 480.000 haben bereits unterschrieben.

Nächstes Ziel: 500.000

Assange hat einen weltweit wichtigen Beitrag geleistet, der für uns alle von Interesse ist. Er half dabei, hochsensible, geheime US-Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen. Seine Leaks deckten Menschenrechtsverletzungen und Spionageversuche der US-Regierung an Verbündeten auf.


Darum fordere ich die britischen Behörden dazu auf: Verhindern sie unter allen Umständen die Auslieferung Assanges an die USA! Dort wäre er einem politisch motivierten und unfairen Prozess ausgesetzt. 


Egal ob Sie Assanges Meinung sind, ihn unterstützen, ihm zustimmen oder nicht: Sollte er an die USA ausgeliefert werden, würde dies einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Es würde bedeuten, dass jeder Journalist, der wahrheitsgemäße Informationen ans Licht bringt und veröffentlicht, in die USA zur Strafverfolgung ausgeliefert werden kann.


Im Falle einer Wiederaufnahme des schwedischen Strafverfahrens muss der Vorwurf selbstverständlich untersucht werden, sowie er gegebenenfalls für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden muss. Alle Anschuldigungen gegen ihn müssen jedoch im Rahmen des Strafrechtssystems des Vereinigten Königreichs oder Europas behandelt werden. …

https://www.change.org/p/verhindert-die-auslieferung-von-julian-assange-an-die-usa

#Assange

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