Mut – ganz praktisch betrachtet

Die Sicht eines Philosophen: Matthias Burchardt im Gespräch.

Nicht erst seit, aber besonders in Zeiten von Corona ist es gar nicht so leicht, einer gängigen Meinung entgegenzutreten. Angefangen von heftigen Auseinandersetzungen und Trennungen innerhalb des Freundeskreises oder der Familie, über Ärger beim Einkaufen, Reputationsverlust bis hin zu Verlust von Arbeitsplatz, Bankkonten, Wohnung und auch Hausdurchsuchungen: Wer die „falsche“ Meinung hat, wer diese auch noch öffentlich und offensiv vertritt, riskiert auch den Besuch eines SEKs morgens um sechs Uhr. Da wirkt dann das Prinzip „Strafe einen, erziehe viele“ hervorragend, und es braucht gehörigen Mut, weiter der eigenen Überzeugung gemäß zu handeln. Trotzdem gibt es mutige Menschen, und es stellt sich die Frage: Was macht diese Menschen aus? Wie werden Menschen mutig, und: Kann man etwas tun, damit mehr und mehr Menschen mutig werden? Im Gespräch mit Matthias Burchardt ging Andrea Drescher für die NachDenkSeiten dieser Frage nach.

Was verstehen Sie unter Mut?

Mut ist für mich eine bestimmte Entschlossenheit und auch eine Bereitschaft, für Werte, Überzeugungen, für die Wahrheit, für die Menschenliebe Risiken in Kauf zu nehmen. Dadurch setzt man sich selbst aufs Spiel, verteidigt aber auch sich selbst und hat die Chance, eine bessere Welt zu gewinnen.

Ich würde das gerne ein bisschen erläutern: Der Beweis des Mutes geschieht nicht erst in der direkten Aktion, in einer Äußerung oder Tat. Mut ist viel früher schon erforderlich. Kant hat mal in etwa formuliert, dass man Mut haben muss, sich ohne die Anleitung eines anderen seines eigenen Verstandes zu bedienen. Ich würde sogar noch weiter gehen: Schon beim Wahrnehmen der Wirklichkeit brauche ich den Mut, meinem eigenen Vermögen zu vertrauen, da ich immer das Risiko einer Täuschung oder eines Irrtums auf mich nehme. Ich muss deshalb hinreichendes Zutrauen in meine Urteilskraft und Denkfähigkeit gewonnen haben.

Das Risiko besteht also nicht erst, wenn ich in Konflikt mit anderen gerate, sondern beginnt schon bei der Ausbildung einer Haltung, einer eigenen Meinung, einer Überzeugung. Habe ich dann dieses Zutrauen aufgebaut, komme ich in einen zweiten Konflikt, denn dann gilt es, das, wovon ich überzeugt bin, vor anderen auch zur Geltung zu bringen. Das betrifft Sachfragen ebenso wie Wertfragen. Bei Sachfragen geht es um Themen wie zum Beispiel, ob die Erde eine Kugel ist. Bei Wertfragen, wo es um Gut und Böse geht, mündet es irgendwann in dem alten Luther-Satz „hier stehe ich und kann nicht anders“. Sobald ich etwas inakzeptabel finde, muss ich dasjenige zur Geltung bringen, wovon ich aus guten Gründen überzeugt bin.

Das heißt, Mut besteht in der Aufgabe, Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Integrität meiner Person zu gewinnen, und weiterhin in den sozialen Aspekten der Artikulation und Verteidigung dessen, was ich für wahr und gut halte, auch gegen Widerstände und unter Inkaufnahme von Nachteilen.

Mut ist anstrengend?

Kant sagte, dass Faulheit und Feigheit uns dazu bringen, uns gerne von anderen bevormunden zu lassen, und das sind genau die Aspekte, die Mut bedürfen. Es ist anstrengend, das Wahre zu suchen und für das Gute einzustehen, und es ist möglicherweise sozial gefährlich. Und natürlich kann ich dieser Anstrengung und Gefahr sehr gut entgehen, wenn ich betreutes Handeln und betreutes Denken an die Stelle meiner eigenen Überzeugung und meiner Verantwortung für das, was ich bin und was ich tue, setze.

Dabei hilft eine Unterscheidung aus der Antike, dass man Mut nicht mit Leichtsinn verwechseln darf. Mut ist eigentlich das richtige Wissen um die Gefahr. Wer die Gefahr überschätzt, ist feige, wer die Gefahr unterschätzt, ist leichtsinnig. Mut versucht die Mitte zwischen beidem zu suchen und bedarf einer gewissen Klugheit und Abwägung. …

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