Manipulation mit ungedeckten Leerverkäufen

Goldman-Anwälte machen versehentlich peinliche Dokumente zugänglich

Rainer Sommer [heise.de]

Seit Jahren prozessieren Goldman Sachs und Merrill Lynch (heute Teil der Bank of America) gegen mehrere Publikationen, um Dokumente über ihre Geschäftsgebarung unter Verschluss zu halten, die in einem alten Verfahren aufgetaucht waren. Nun haben ihre Anwälte irrtümlich eine Zusammenfassung eben dieser Dokumente an die Öffentlichkeit gebracht – und die bestätigen neuerlich alle Vorurteile zu den korrupten Praktiken der führenden Finanzhäuser.

In dem mittlerweile eingestellten Prozess hatte der Online-Handelspionier Overstock.com unter anderem die Wall-Street-Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs auf 3,5 Milliarden Dollar geklagt, weil sie den Kurs der Overstock-Aktie in den Jahren 2005 bis 2007 massiv manipuliert hätten, wozu vor allem die illegale Praxis des “naked short selling” (ungedeckter Leerverkauf) genutzt worden sei.

Während overstock.com sich mit den weiteren Beklagten inzwischen aber auf eine Zahlung von 4,4 Mio. USD verglichen hatte, blieben die Investmentbanken hart und es gelang ihnen, diesen Jänner die Klage ohne Schuldspruch abweisen zu lassen – dies allerdings nur weil die Klage in Kalifornien eingebracht worden war und die Banken zeigen konnten, dass keiner der inkriminierten Sachverhalte in Kalifornien stattgefunden hatte.

Darüber hinaus unternahmen die Banken aber auch alles, um die im Verfahren aufgetauchten Protokolle und Emails, in denen Mitarbeiter von Goldman Sachs und Merrill Lynch die inkriminierten Vorgangsweisen untereinander sowie mit den Kunden diskutiert hatten, unter Verschluss zu halten. Denn so würden “wichtige Geschäftsgeheimnisse” bekanntgemacht, was mehr als fünf Jahre später wohl doch einen durchaus verwegenen Standpunkt darstellt.

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36957/1.html

This entry was posted in Geldsystem, Gerechtigkeit, Politik. Bookmark the permalink.

Leave a Reply