Syrien: Russischer General dementiert seinen Tod. Berichte über türkische Intervention. Regierungstruppen rücken in Aleppo vor
Karin Leukefeld [jungewelt.de]
Das türkische Militär soll am Mittwoch mit Hubschraubern und Soldaten in die nordsyrische Stadt Jarablos vorgedrungen sein. Das berichtete der englischsprachige iranische Fernsehsender Press TV am Mittwoch. Aus anderen Quellen wurde diese Meldung zunächst nicht bestätigt. Zuvor hatte Ankara nach schweren Gefechten mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Provinz Hakkari gedroht, die Kämpfer bis nach Syrien zu verfolgen, sollten sie sich dorthin zurückziehen. Die türkische Regierung fürchtet eine Signalwirkung des quasi autonomen Status, den die syrischen Kurden in einigen Städten im Norden des Landes errungen haben.
Rußland dementierte derweil Angaben der »Freien Syrischen Armee« (FSA), sie hätten den russischen General Wladimir Kuschejew getötet. Dieser trat am Mittwoch selbst vor Journalisten in Moskau auf und erklärte: »Ich kann bestätigen, daß ich am Leben bin und es mir gut geht.«
(…) Am Mittwoch nachmittag kam es im Zentrum von Damaskus zu einer Demonstration von rund 100 Jugendlichen gegen die Regierung. Die Mädchen, die mehrheitlich weiße Kopftücher trugen, hielten Schilder in die Höhe und riefen Parolen, daß Syrien »außer Gott niemanden« brauche. Bevor sie nach wenigen Minuten auseinanderstoben, warfen sie Flugzettel in die Luft, auf denen stand: »Die Jugend bezahlt Präsident Assad 2000 Syrische Pfund, wenn er das Land verläßt.«
In einem Café um die Ecke haben die Menschen andere Sorgen. »Können Sie mir erklären, was sich die Europäische Union eigentlich denkt mit ihrer Politik? Diese Sanktionen schaden doch nur der Bevölkerung, den einfachen Leuten! Warum verhält sich Europa so?« Der Mann ist etwa Mitte Fünfzig, er greift mit beiden Händen an den Kopf, seine Augen sind aufgerissen, während er nach Worten sucht. Der Gesprächspartner, ein Ministeriumsangestellter, möchte seinen Namen nicht nennen. Jahrelang hat er mit deutschen Kollegen zusammengearbeitet, erzählt er. Er war sogar drei Wochen bei einer Fortbildung in Deutschland. »Wir dachten, die deutsche Regierung würde uns helfen, unser Land zu erneuern. Nun aber unterstützen sie diese Kämpfer, die von Katar und Saudi Arabien finanziert werden! Wenn sie meinen, mit den Golfmonarchien Geschäfte machen zu müssen, ist das ihre Entscheidung. Aber wollen sie uns etwa mit der Hilfe von Saudi-Arabien beibringen, was Demokratie ist?«
Ein anderer Mann kommt hinzu und berichtet, daß vor wenigen Tagen in seinem Heimatort Jdeideh Artuz der bekannte Dokumentarfilmer und Regisseur Bassam Hussein vor seinem Haus getötet worden sei. Die Runde schweigt einen Moment betreten, dann sagt der Hinzugekommene: »Was hat das mit Revolution zu tun, wenn die Menschen vor ihren Häusern ermordet werden! Dieser Mann trug keine Waffe. Er hatte nur eine Kamera und seinen Schreibblock. Ihn zu ermorden ist nichts anderes als ein Verbrechen.«