Lüge und Verschwörung als Mittel der Macht

Interview mit Andreas von Bülow

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Hätten doch die führenden Kräfte in der Friedensbewegung und in der Linken den Durchblick, wie er in dem Interview mit Andreas von Bülow erkennbar wird. Gehörte es doch zum Standard der „kritischen Intelligenz“, sich frei machen zu können von der unentwegten Indoktrination durch die Herrschaftsmedien und erkennen zu können, dass es eine Politik hinter der Politik gibt – hinter den Kulissen der Politik-Show, die uns Tag für Tag vorgespielt wird. Andreas von Bülow scheint einer der wenigen zu sein, die dazu fähig – oder sollte man besser sagen – dazu bereit sind. Hier ein Interview mit dem ehemaligen SPD-Bundesminister:

Das arabische Land Syrien wird seit neunzehn Monaten von schweren Unruhen erschüttert. Zahlreiche Vermittlungsversuche haben keinen Erfolg gebracht. Es besteht die reelle Gefahr eines Übergreifens des Konflikts auf andere Länder der Nahostregion. Wie ist Ihre Analyse dazu?

Die kann nicht erstellt werden, wenn man die westlichen Medien liest und hört und sieht. Zwei oder drei Wochen nach dem 11.September 2001 ist vom amerikanischen Verteidigungsministerium entschieden worden, in sieben Staaten des Nahen Ostens den Regime-Change einzuleiten – und zwar militärisch vorbereitet. Genau in derselben Zeit haben ungefähr zehn Think-Tanks angefangen, über die “Revolution” in diesen Staaten nachzudenken und die Technik auszuarbeiten. Das ist eine Information, die man heute sogar im Internet finden kann. Was jetzt Syrien angeht: das ist einer der Staaten neben Irak, Libanon, Somalia, Sudan, Libyen und Iran, wo versucht wird, einen Regime-Change zustande zu bringen – durch inneren Aufruhr. Der wird unterstützt mit kräftigen Geldspritzen aus den USA, England und Frankreich. Es werden Todesschwadronen eingesetzt, und die immer vorhandene Unzufriedenheit der Bevölkerung und möglicherweise auch tatsächliche Ungerechtigkeit des Regimes wird genutzt, um diesen Regime-Change herbeizuführen, aber nicht, um den Leuten zu helfen, sondern um dieses Land handhabbarer zu machen.

Lüge und Verschwörung: Begleitoperation zum Krieg

Es hört sich nach einer Verschwörungstheorie an.

Ja, natürlich, Staaten machen Verschwörung, und die Vereinigten Staaten (von Amerika) fast seit sie bestehen. Sie machen Verschwörung, um in Lateinamerika oder in Nahost und wo auch immer einzugreifen. Lüge ist die Begleitoperation zum Krieg. Man muss so tun, als würde man Menschen helfen. In Wirklichkeit aber verfolgt man eigene Interessen. Und wer dem auf die Spur kommt, wird als Verschwörungstheoretiker lächerlich gemacht. In Wirklichkeit sind es aber Verschwörungen und zwar Staatsverschwörungen.

Es gibt aber Länder wie Saudi-Arabien oder Katar, um nur einige zu nennen, die von dieser Verschwörungstheorie ausgenommen sind, obwohl dort Regime herrschen, die alles andere sind als demokratisch. Wie sehen Sie das?

Richtig; die haben sie ausgenommen, dagegen gehen sie nicht vor, da sind ihre Stützpunkte, die liefern Waffen, die liefern Geld, die finanzieren al-Kaida, die finanzieren die Salafisten. Also, man nutzt diese Leute. Es geht gar nicht um Demokratie, es geht überhaupt nicht um Rechtsstaat, sondern es geht schlicht und einfach um Macht, Öl, Verkehrswege usw..

Täuschungsoperation: Terror ist gar kein originärer Terror“

Die Salafisten sind offenbar die, die die größten Terroranschläge weltweit organisieren und durchführen. Das ist aber genau das Gegenteil dessen, was sich die USA auf die Fahne geschrieben haben, nämlich Ausrottung des Terrors.

Ja, es ist klar, der weltweite Terror ist gar kein originärer Terror, sondern ist auch staatlicher oder indirekt staatlich unterstützter Terror. Die westliche Welt hat keinen Feind mehr in Form der Sowjetunion und sie braucht einen neuen. Das hat der mit der CIA eng kooperierende Samuel Huntington beschrieben. Das kriegen wir jetzt geliefert. Und der 11. September 2001 war der Einstieg in diese ganze Geschichte.

Also die ganze Terrorbekämpfung bedeutet überhaupt nichts?

Ja Gott, das ist eine große Täuschungsoperation. Wir haben seit dem 11. September 2001 lauter angebliche Selbstmordattentate, die den großen Vorteil haben, dass der Täter nicht ermittelt werden muss. Der ist ja tot. Das heißt, die kriminalpolizeiliche Aufklärung jedes Anschlags unterbleibt, weil der Täter, dem die Tat unterstellt wird, tot ist. Wie das Attentat zustande kommt – ob jemandem etwas in den Rucksack reingelegt worden ist, oder im Irak einem Gemüsehändler während der Fahrt mit seinem Auto, wie der kleine Enkel, der hinten drin saß, beobachtet hat, in die Tomaten ein Sprengsatz reingesetzt worden ist – das wird in der Regel nicht geklärt.

Bevölkerungen: Belogen nach Strich und Faden“

Wie erklären Sie es, dass diese Politik in der Öffentlichkeit der westlichen Länder gut ankommt?

Die westlichen Bevölkerungen werden belogen nach Strich und Faden und haben keine Ahnung, was wirklich passiert. Man kann sich nur instinktiv dagegen wehren, gegen die täglichen Meldungen, die ja in der Regel wie bei allen Kriegen eher in Amerika in der Madison Avenue – wo die großen Reklamebüros sind – gemacht werden.

Die Türkei ist sehr nahe an einem Krieg mit Syrien. Da haben die NATO-Verteidigungsminister kürzlich der Türkei Beistand bei einem ernsten Konflikt zugesichert. Was halten Sie davon?

Ich halte es für grotesk. Die NATO hat noch nicht einmal aufgeklärt, wo der Schuss eigentlich herkam. Es gibt sogar die Erklärung der Söldner, der aufständischen Kämpfer, sie hätten den Schuss abgegeben. Es ist überhaupt nicht geklärt, und die Türkei nutzt das als Vorwand, und die NATO stellt sich hinter diesen Vorwand. Das ist ein ungeheurer Vorgang.

Unverantwortlich: 18jährige zur Revolution auf die Straße zu jagen

Die US-Regierung schickte laut Medien 150 Militär-Spezialisten nach Jordanien, um die dort herrschende Monarchie vor eventueller Gefahr zu schützen.

Das ist dummes Zeug. Das ist alles so unverantwortlich, was da geschieht. Natürlich müssen Reformen in diesen Ländern durchgeführt werden, aber das müssen die Leute vor Ort machen. Das müssen die Leute machen, die in Amt und Würden sind, die Erfahrung haben, die Professoren sind, die Unternehmer sind, die Geschäfte betreiben. Die müssen zusehen, dass ihr Land in einen ordentlichen Zustand kommt. Es macht keinen Sinn, 18jährige auf die Straße zu jagen und sie zur großen Revolution anzuheizen, und hinterher kommt dabei nichts heraus. Schauen Sie den Zustand in Libyen an, das ist doch verheerend, was dort stattfindet. Schauen Sie den Zustand in Ägypten an. Da wird überall das soziale Netz aufgerissen. Die Leute kommen ganz arm aus dieser Situation heraus, schlechter als je zuvor. Es ist unverantwortlich, was da der Westen macht.

Gehen Sie davon aus, dass diejenigen Länder, die in der ersten Phase ausgenommen worden sind, irgendwann mal überfallen werden?

Ja, wenn es im Interesse der USA liegt, der einzigen noch bestehenden Supermacht, dann wird es so passieren. Es ist bequem für die USA. Diese Länder sind in ihrer inneren Sicherheit früher von England abhängig gewesen, heute von Amerika, so dass sie in der Regel das machen, was Amerika sagt.

Andreas von Bülow (geboren 1937 in Dresden) war 1969 bis 1994 SPD-Abgeordneter im Bundestag, u.a. in der parlamentarischen Kontrollkommission für die Nachrichtendienste, von 1976 bis 1980 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verteidigung, 1980 bis 1982 Bundesminister für Forschung und Technologie in der Bundesregierung von Helmut Schmidt, ist Autor der Bücher “Im Namen der Staates – CIA, BND und die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste” (2000) und “Die CIA und der 11. September, Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste” (2003).

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann sind Mitglieder des Aachener Friedenspreis e.V. und des Bundesverbands Arbeiterfotografie.

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18577

siehe auch…

This Is How The Banksters Took Control Of You!!!

http://www.heinrichplatz.tv/?p=8405

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