Syrisches Tagebuch

7 Monate Berichterstattung aus Syrien

Autor: Anastasia Popowa (Vesti.ru, Rossija-24)

Der russische Sender Rossija-24 veröffentlichte vor 3 Tagen einen Rückblick auf die 7 Monate Berichterstattung, in denen das Team von Anastasia Popowa vor Ort in Syrien war. Diese Zeit geht auch an hartgesottenen Journalisten nicht spurlos vorüber; sie haben vor Ort viele Freunde gefunden und durch den Terror auch einen Teil von ihnen wieder verloren. Der Film ist denn auch insgesamt den Opfern des Terrors in Syrien sowie speziell Amir Abu Dschafar gewidmet. Der tauchte erstmals in einem Videobericht aus Homs auf und wurde später von FSA-Banden entführt und bestialisch ermordet.

Dieser Film ist im Original etwa 44 Minuten lang (die deutsche Fassung ist um ein-zwei Minuten kürzer, es sind ein paar Passagen mit “ääääh” und “hmmm” entfernt worden, die sich schlecht von einer Übersetzung untermalen lassen) und soll auf rein emotionaler Ebene greifen – ohne irgendwelche taktischen oder gar strategischen Implikationen. Man kann die Sache nüchtern sehen und Elemente von Schwarz-Weiß-Malerei identifizieren; insgesamt ginge der Film sicher gut unter dem Label “Propaganda” oder, sagen wir es positiver, “Informationskrieg” durch. Das kann man von der Seite aber ruhig auch einmal zulassen. Das Aufbauen von Emotionen ist charakteristisch für diese Art Film. Aber das Aufzeigen der ausufernden Brutalität gegenüber den Zivilisten und den Gefangenen unter dem Deckmantel eines Glaubenskriegs ist hier essentiell und der Grundtenor, den es zu transportieren gilt. Krieg ist Krieg, Soldaten sterben – das ist in diesem üblen Kontext “normal”. Aber man kann sich fragen, wofür oder für wen sie das tun. Man muss also nicht alles daran mit dem propagandistischen Generieren von Stimmungen abtun. Nebenbei interessant auch das Interview mit Yara Saleh von Al-Ikhbaria, die eine knappe Woche in der Gefangenschaft der FSA-Banditen verbracht hat und von der Armee befreit worden ist.

Das Team von Anastasia Popowa wurde in Russland mit der eigentlich Militärs vorbehaltenen Tapferkeitsmedaille geehrt. Nicht sehr verwunderlich: sie sprinten zusammen mit den Soldaten durch Kugelhagel und riskieren wirklich etwas, um authentisch zu sein. Im Sinne dessen, dass Kriege heutzutage offenbar überwiegend in den Medien ausgefochten werden, ist das also richtig. Und diese Linie ist damit von russischer Seite auch offiziell gewollt und unterstützt – siehe auch die Definition des Personenkreises, der für eine solche Auszeichnung in Frage kommt: “in Ausnahmefällen an Zivilisten für persönliche Tapferkeit bei der Verteidigung des Vaterlandes.”

http://apxwn.blogspot.com/2012/12/syrisches-tagebuch-ruckblick-auf-7.html

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