Guter Währungskrieg, schlechter Währungskrieg

Jens Berger

Die Debatte um den Währungskrieg auf dem G 20 Gipfel ist schizophren. Die Bundesbank schreit Hände weg vom Wechselkurs, mit realer Abwertung bzw. Preisdumping durch Kürzungspakete und Lohnverzicht hat sie kein Problem. Dies zeigt: Gute Wirtschaftspolitik ist für die Bundesregierung und die Bundesbank, wenn Daimler und Siemens gewinnen und die Mehrheit verliert. Ein Kommentar von Fabio De Masi[1] anlässlich des G 20 Gipfel in Moskau.

Ein Gespenst geht um in Moskau: Es ist das Gespenst des Währungskrieges. Die Finanzminister der G 20 Staaten senden Liebesgrüße aus Moskau: Sie haben sich auf einen Waffenstillstand verständigt und die Wechselkurse nicht künstlich niedrig zu halten.

Ein anderer Konflikt wurde auf dem G 20 Gipfel hingegen vertagt: Die Bundesregierung wollte die Handelspartner nötigen ihre Staatsausgaben massiv zu reduzieren. In Toronto einigten sich neun der 20 Wirtschaftsmächte auf eine Halbierung der Staatsdefizite bis 2013. Die USA, Groß-Britannien, Kanada und Japan haben dieses Ziel verfehlt. Deutschland steht aus Washington und Paris in der Kritik mit seinem Einsatz für die radikale Senkung der Staatsausgaben die Weltwirtschaft in die Rezession zu treiben und zu wenig für die Stärkung der eigenen Binnenwirtschaft zu tun.

Währungskrieg 2.0?

(…) In Wahrheit erleben wir seit Jahren einen „realen Währungskrieg“ innerhalb der Euro-Zone und mit den „Strukturreformen“ in Europa zunehmend auch im globalen Maßstab: Deutschland betreibt mit seiner Politik des Lohndumpings bei nicht mehr existierenden Wechselkursen eine Politik des Preisdumpings bzw. der „realen Abwertung“. Für Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesbankpräsident Jens Weidmann ist eine Abwertung der (nominalen) Wechselkurse Teufelszeug, eine Politik der realen Abwertung aber tugendhaft. Oder mit anderen Worten: Was China einst über den Wechselkurs machte, macht Deutschland über die Agenda 2010 und seine Billiglöhne…

http://www.nachdenkseiten.de/?p=16205

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