Kunst & Ungemach

“Wahrheit ist stets gelassen. Lüge aber schreit nach irdischem Gericht!”

 

“Zum Recht des Wahrheitssuchenden gehört es, Zweifeln, Forschen und Abwägen zu dürfen. Und wo immer dieses Zweifeln und Wägen verboten wird, wo immer Menschen verlangen, dass an sie geglaubt werden muss, wird ein gotteslästerlicher Hochmut sichtbar, der nachdenklich stimmt. Wenn nun jene, deren Thesen sie anzweifeln, die Wahrheit auf ihrer Seite haben, werden sie alle Fragen gelassen hinnehmen und geduldig beantworten. Und sie werden ihre Beweise und ihre Akten nicht länger verbergen. Wenn jene aber lügen, dann werden sie nach dem Richter rufen. Daran wird man sie erkennen. Wahrheit ist stets gelassen. Lüge aber schreit nach irdischem Gericht!”

— Pfarrer Viktor R. Knirsch aus Kahlenbergerdorf

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African tribute to hendrix:

 

Aktivisten befreien Bach:

Goldbergvariations free to download and share: Die Pianistin Kimiko Ishizaka hat die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach eingespielt. Unter einer Creative-Commons-Lizenz sind Noten und Musik jetzt offen für alle, können heruntergeladen, kopiert, verändert, verbreitet werden.

 

http://www.opengoldbergvariations.org/

 

Gerhard Richters Erfolg und das Gute daran

Nicht wenige Kunstfreunde empfinden ihren Museumsbesuch erst dann als abgeschlossen, wenn sie auch den dazugehörigen Shop betreten haben. Gerade zu den pompösen Ausstellungen, die sich in die Abhängigkeit vom Tourismus-Marketing begeben haben, statt nur auf Kulturfreunde und Regenflüchter zu schielen, wird das Sortiment mit einiger Raffinesse immer wieder neu zusammengestellt und bietet oft mehr Genuß, als die mit Hinblick auf den Ereignischarakter zusammengeschobenen disparaten Ausstellungsobjekte. Aus dem Katalog erschließen sich auf einmal Zusammenhänge, auf die der Blick durch die Ausstellungsarchitektur verbaut war und ohne die dramatische Lichtsetzungen ist im nüchternen Katalogphoto auf einmal die Polymorphie des Kunstwerks zu erkennen. Am Postkartenständer ist dieses Erweckungserlebnis noch viel unmittelbarer zu erfahren, wenn nämlich das grandiose Motiv jäh in Handflächengröße vor die Augen tritt. Die Erkenntnis kann durchaus mit einer Enttäuschung verbunden sein, denn das verkleinerte Abbild vermittelt eher eine Ahnung vom Original, als ihm an die Seite treten zu können.

Anders verhält es sich in der aktuellen Retrospektive zum runden Geburtstag Gerhard Richters. Hier spielen seine Motive ihre Qualitäten im Format zehn mal fünfzehn optimal aus, wo in der Ausstellung nur Ernüchterung eintreten kann. Der als „Nationalkünstler“ bezeichnete Maler – der nur während einer kurzen Phase in den sechziger Jahren des vergangen Jahrhunderts mehr versprach, als das bloße Erproben unterschiedlicher Ausdrucksweisen, um dann doch nichts bekennen zu müssen – hat seine technischen Fähigkeiten in den Dienst der Belanglosigkeit gestellt und seine Desinteresse an der Wirklichkeit und ihren Bildern hinter schierer Produktivität versteckt. An der Wand lässt sich nicht verbergen, daß in Richters Werk, neben der Kunstfertigkeit, die auch Plakatmalern, Briefmarkenentwerfern und Gebäckmischungskartongestaltern zu eigen ist, nichts darüber hinaus zu finden ist. Im reduzierten Format kommen die Gemälde zu sich, um ihre Unbedarftheit und Banalität auszuspielen, die in Lebensgröße nur mehr dumm und widerlich erscheint. Aber glücklich dürfen wir Nachgeborenen uns schätzen, daß der Künstler dann tatsächlich zum fürstlich bezahlten Postkartenmaler avancierte, anstatt daß er, von der Akademie abgelehnt, als Diktator reüssiert hätte, wie es verhinderten Postkartenmaler sonst durchaus widerfahren kann.

Adressen: Postkartenständer im Museumsshop der Neuen Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin

 

Archiv: Der Galeriengeher

 

 

K e r n k r a f t „Das Märchen“

Ausstellung im Rathaus Kreuzberg Berlin

Eine Ausstellung auf der Spur von Lüge, Manipulation und Wahrheit
vom 8. März – 4. April

In dieser Ausstellung werden die uns täglich offerierten Begriffe „Endlagerung“, Entsorgung“, „Strahlenschutz“, „schnellstmöglicher Ausstieg“, „Forschungsreaktor“ und „Atomkraftwerke liefern sauberen und billigen Strom“ näher beleuchtet. Gewidmet den Frauen, die durch U-238 genetisch geschädigte Kinder geboren haben und gebären werden.

http://www.uran-munition.de/veranstaltungen/kreuzberg/index.html

 

Write Love Letters

Give up your self.
Learn to fall.
Plant impossible gardens.
Invite somebody dangerous for tea.
Create small signs, that say “YES”, and distribute them everywhere.
Become a friend of freedom & insecurity.
Look forward to your dreams.
Don’t feel ashamed shedding tears while watching cinema-movies.
Refuse to be “responsible”. Do it in love.
Make “siesta” anytime, anywhere.
Forward money. Do it NOW. Money will follow.
Believe in magic. Laugh a lot.
Bath in moonlight, dream wild dreams, full of phantasy.
Paint on any wall. Read every day.
Imagine you would be bewitched.
Giggle with children. Listen to old people.
You are innocent.
Be fluid.
Write love letters.
Thank you.

(Joseph Beuys)

 

…ist das Kunst? oder kann das weg

Ausstellung in der Zeitzone

Berlin Kreuzberg, Adalbertstr. 79, vom 20. bis 31. Januar

Kunst?

 

Erste Eindrücke und Gespräche beim Aufbau der Ausstellung

Ist das Image von Kunst seit den Impressionisten zerstört?

Am Wochenende gibt es zusätzlich zur Ausstellung Lesungen, Filme, z.B. “Der Schein trügt” über das Wesen des Geldes und mehr, ein Besuch lohnt sich.

Am Montag, den 30.01.2012 wird um 20 h der Dokumentarfilm “HARTZcore” gezeigt, mehr zum Film auf
http://www.hartzcore.com

 

Der Galeriengeher ist wieder unterwegs

Sebastian, 4. 1. 2012

Winterpause nicht nur in den Berliner Galerien, sondern auch für den Galeriengeher. Eine Gelegenheit, im Centre Pompidou die große Retrospektive von Yayoi Kusama mit grandiosen Monochromen zu bewundern und die aktuelle Schau von Berlins Cyprien Gaillard geflissentlich zu ignorieren.

Galerie Zink
Galerie Zink: The Lost Film Performances

Noch vor den Feiertagen hatte ich den vergeblichen Versuch beschrieben, die Galerie Zink zu finden. Inzwischen war ich dort und kann den Besuch nur wärmstens weiterempfehlen. Reynold Reynolds hat dort unter dem Titel »The Lost Film Performances« ein Filmset gebaut, in dem Szenen für seine aktuelle Produktion entstehen. Ein aufwendiges Projekt, das ähnlich wie seine früheren Arbeiten mit Schauspielern in Stop-Motion-Technik erstellt wird – also jedes Filmbild wird einzeln aufgenommen und zwischen den einzelnen Bildern finden nur minimale Veränderungen statt, damit dann bei der Wiedergabe der Eindruck einer flüssigen Bewegung entsteht. Naturgemäß ist diese Methode mit die Aufwendigste des Filmemachens überhaupt, weil sie sich so langwierig und diffizil gestaltet. Der Künstler steigert die Schwierigkeit noch, in dem er den Prozeß zur Performance erklärt und das Entstehen seines Films ebenfalls ausstellt. Die Geschichte, die dort verfilmt wird, also was vom plot verraten wird und die backstory, die im Erdgeschoß der Galerie ausgebreitet ist, samt einiger Artefakte, historisierenden Photos und ähnlichem, bleibt blaß und unwichtig; die Herstellung des Films im Keller ist die eigentliche Attraktion.
Vor Publikum wird dort der Durchlauf geprobt und eine Stop-Motion-Sequenz zur sofortigen Kontrolle photographiert, die dann noch, später in der selben Nacht, auf Zelluloid gefilmt wird. Es empfiehlt sich, einige Zeit einzuplanen und dem Künstler samt seinem Team bei der Arbeit zuzuschauen.

Unsichtbares macht das Wesentliche der Arbeiten von João Penalva bei Thomas Schulte aus, seine Begleittexte laden die Objekte mit einer Bedeutung auf, die vorher mit bloßem Auge nicht zu erkennen war. Photographische Vergrößerungen und Fundstücke des Alltags samt ihrer Schattenbilder bilden das Material. Die Schemen verwischen die Frage nach Autorschaft nachhaltig und lassen die Handschrift dieses Künstler viel interessanter erscheinen als die jener, deren Persona sich häufig dröhnend in den Vordergrund spielt.

Seit Jahren freue ich mich auf den Neubau im Postfuhramt, der an diesem Ort schon so lange angekündigt wird. Gerade hier braucht es noch ein Hotel und Einkaufszentrum.
Wer dort die wirklich sehenswerte und erschreckende Ausstellung der frühen Bilder von Gundula Schulze-Eldowy sehen will, sollte sich mit verbundenen Augen in das Obergeschoß führen lassen, um der indiskutablen Schundschau von Illustriertenbildchen zu entgehen. Oben, weit weg von der gewissenlosen Geschäftemacherei, die gut zum Touristennepp der Nachbarschaft paßt, lassen sich die letzten Jahre der DDR betrachten. Die Agonie eines Landes tritt hervor, in dem der große vaterländische Krieg ewig anzudauern schien. Gerade die Aufnahmen in Orwocolor muten an, als vernebele Pulverdampf den Blick, zeigen den Schrecken einer verwunschenen Welt, die dann, nur wenige Jahre, später komplett verschwunden sein sollte.

Yayoi Kusama
Nur noch bis 9. Januar 2012
Centre Pompidou

Reynold Reynolds
The Lost Film Performances
Nur noch am 6. & 12. Januar 2012 von 18 bis 21 Uhr, der Aufbau steht bis zum 14. Januar.
Galerie Zink
Linienstraße 23, 10178 Berlin

João Penalva
Verlängert bis zum 28. Januar 2012
http://www.heinrichplatz.tv/wp-admin/post-new.php?post_type=pageGalerie Thomas Schulte
Charlottenstraße 24, 10117 Berlin

Gundula Schulze-Eldowy
Die frühen Jahre. Fotografien 1977–1990
Bis zum 26. Februar 2012
C/O Berlin im Postfuhramt
Oranienburger Straße 35, 10117 Berlin

 

Archiv: Der Galeriengeher

 

One Response to Kunst & Ungemach

  1. GSW says:

    Hallo Sebastian, sehr interessant und anregend die Kommentare von deinem letzten Galerienrundgang, so dass ich unbedingt diese Woche in die Galerie Zink (natürlich am 12.1.) und in das Postfuhramt gehen möchte!
    Danke und viele Grüße, Gertrud

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