Die Stadt die all ihren Bewohnern ein Grundeinkommen schenkte

Wie jedes ordentliche kanadische Kaff wartet auch Dauphin mit einem einladenden Motto auf. „Alles, was ihr verdient“ prangt auf einem Schild am Ortseingang der kleinen Farmerstadt.

– Whitney Mallett

Die Stadt darf sich seit vier Jahrzehnten mit Fug und Recht mit diesem gönnerischen Leitspruch schmücken, weil sie das Zentrum des größten Experiments mit dem bedingungslosen Grundeinkommen war, das der Menschheit je vergönnt war. Vier Jahre lang bekamen die ärmsten Bewohner von Dauphin jeden Monat einen festen Betrag, der ihr bescheidenes Einkommen aufstockte — und sie gleichzeitig dafür belohnte, wenn sie mehr arbeiteten. Die gesellschaftlichen Folgen der Armut schienen in jenen Jahren in Dauphin einfach wegzuschmelzen: Die Menschen gingen weniger zum Arzt und ins Krankenhaus, es gab weniger psychische Krankheiten und mehr Teenager, die die Highschool abschlossen.

Inzwischen wird weltweit immer häufiger über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) diskutiert. In der Schweiz soll im Jahr 2016 darüber abgestimmt werden, ob jeder Eidgenosse 2080 Euro im Monat zur Verfügung hat, während ein Berliner zumindest ein temporäres BGE für 12 glückliche Gewinner bereits per Crowdfunding realisiert hat. Tatsächlich ist die soziale Utopie vom Mindesteinkommen und einer besseren Gesellschaft bereits mehr als ein Jahrhundert alt.

Sie hätten das Programm nicht einstellen soll. Die ganze Stadt blühte auf.

Ein Blick auf das Experiment in der kanadischen Provinz könnte endlich Klarheit in die aufgeladene Diskussion, um die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens bringen. 1979, als das Experiment auslaufen musste, wurden die Unterlagen in einem Lagerhaus verstaut und erst viele Jahre später von einer Forschergruppe unter der Leitung der Soziologin Evelyn Forget analysiert.

Eine Stadt widerspricht den Kritikern

Kritiker des BGE argumentieren beispielsweise, dass die Gabe an die Armen ihnen den Anreiz zum Arbeiten nähme. Sie weisen auf Studien hin, in denen die Teilnehmer bestimmter Pilotprogramme ihren Willen zum eigenen Gelderwerb verlieren und malen ein Schreckensszenario einer faulen Gesellschaft an die Wand. Die Daten aus Dauphin zeigen jedoch, dass der oder die Hauptverdiener einer Familie nicht weniger motiviert waren einer Arbeit nachzugehen als ohne BGE. Es gab zwar einen Leistungsabfall bei Müttern kleiner Kinder und Teenagern, die noch zur Schule gingen—die Mütter wollten länger bei ihren Neugeborenen zu Hause bleiben und die Teenager standen nicht mehr unter solch einem enormen Druck, die Familie finanziell zu unterstützen—doch dieser Rückgang war bei weitem nicht so desaströs, wie Skeptiker das prophezeit hatten.

http://motherboard.vice.com/de/read/die-stadt-des-kostenlosen-geldes-444

siehe auch…

THE TOWN WITH NO POVERTY

Using Health Administration Data to Revisit Outcomes of a Canadian Guaranteed Annual Income Field Experiment

http://public.econ.duke.edu/~erw/197/forget-cea%20%282%29.pdf

This entry was posted in Bildung, Bürgerbewegung, Freiheit, Geldsystem, Gerechtigkeit, Politik, Selbstorganisation, Wissenschaft and tagged , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply